Wie verstehe ich meinen Hund?
Nicht nur der Urvater des Haushunde, der Wolf, teilt über Signale seinen Rudelmitgliedern mit wie er sich fühlt. Diese 'Calming Signals' wurden auch an unsere Haushunde vererbt.
Schon seit längerem ist bekannt, dass Wölfe Beschwichtigungssignale benutzen, durch die sie Aggression, Angst, Stress oder ähnliches unterbrechen und mildern können. Diese Signale werden also dazu verwendet, um Konflikten vorzubeugen oder diese zu lösen. Turid Rugaas hat bei ihren Forschungen festgestellt, dass diese Signale nicht nur bei Wölfen vorkommen, sondern auch von unseren Haushunden verwendet werden.

Mit Hilfe ihres Körpers, des Gesichts, der Rute, der Ohren sowie über Gesten und Töne teilen sich unsere Hausgenossen mit. Hunde zeigen uns durch diese Signale, was in bestimmten Situationen mit ihnen los ist und dies, bevor etwas passiert. Wenn wir Menschen nun lernen, diese Signale zu verstehen, dann können wir Gefahren vermeiden, den Hund beruhigen und Kinder sofort wegnehmen, wenn dieser es möchte.

Durch mangelnde Sozialkontakte und falsche Bestrafung kann ein Hund diese Beschwichtigungsgesten verlernen. Dies sollte auf jeden Fall vermieden werden, denn diese Signale sind überlebenswichtig.
Beschreibung der Signale nachfolgend:

Wegschauen / Kopf wegdrehen
Dieses Signal zeigt der Hund, wenn ihm ein anderer Hund gegenübersteht, eine Person ihm zu Nahe kommt oder wenn wir ihn anstarren. Der Hund dreht seinen Kopf weg und schaut scheinbar verlegen zur Seite. Dies ist ein Zeichen dafür, dass er sich nicht wohlfühlt. Entschärft wird die Situation, indem wir neben den Hund gehen und unsererseits Calming Signals aussenden, bis er selbst wieder auf uns zukommt. Dann streicheln wir ihm die Flanken oder beschäftigen uns mit etwas Anderem.

Spielposition / -verbeugung, -aufforderung
Mit den Vorderbeinen nach unten gehen.
Oft wird es beim Spielen benutzt, aber auch bei anderen großen Tieren (Pferde, Kühe), da sie diese oft nicht einschätzen können.

Nase lecken
Wird oft in Situationen angewandt, in denen der Hund angespannt ist, etwa, wenn man sich über ihn beugt, mit verärgerter Stimme mit ihm redet oder gerade auf ihn zugeht. Wieder möchte er die Situation beschwichtigen und uns gutmütig stimmen. Daher sollte es vermieden werden, sich von vorne her über ihn zu beugen (beim Anleinen, Kämmen)

Hinsetzen / Hinlegen
Legt sich ein Hund auf den Rücken, bedeutet dies manchmal Unterwerfung. Wenn er sich bei Begegnungen mit fremden Hunden auf den Bauch legt, dann will er die Situation entschärfen.

Ein Welpe wirft sich manchmal auf den Rücken, wenn ihm das Spiel zu rau wird. Schalten wir also einen Schritt zurück, wenn sich der Hund so zeigt. Beispielsweise bei der Erziehung, wenn der Hund langsamer wird, sich hinsetzt, hinlegt, gähnt oder sonstige Signale zeigt, sollten wir zurückschalten, denn in dieser Situation ist das Lernen blockiert.

Schlangenlinien gehen
Wenn Hunde aufeinander zurennen, dann nie schnurgerade. Sie gehen einen Bogen. Deshalb sollten Sie auch nie kerzengerade auf ihren Hund zugehen.

Langsam gehen
Dieses Beruhigungssignal wird vom Menschen oft missverstanden und löst bei diesem oft eine konträre Reaktion aus, der Hund wird also ermahnt, schneller zu gehen. Je mehr wir den Hund auffordern, schneller zu gehen, umso langsamer wird er, da Mensch und Hund aneinander «vorbeireden».

Gähnen
Eines der meistbenütztesten Signale überhaupt. Es kommt sehr oft vor, dass Hunde in bestimmten Situationen gähnen. Ein Hund gähnt, wenn es zum Tierarzt geht, wenn ihm ein Kind zu nahe kommt, wenn es Streit in der Familie gibt, wenn er sich in engen Räumen aufhalten muss. Er gähnt, um Stress aus seinem Körper zu nehmen. Dieses Signal ist schon eine eindringliche Bitte, zurückzutreten. Gähnen wir also ruhig einmal, wenn es laut gewittert, wenn der Schrubber umfällt, wenn ein fremder Hund auf uns zukommt. Unsere Hunde werden sich beruhigen, wenn sie sehen, dass wir Calming Signals aussenden.

Schnüffeln
Wenn ihr Hund schnüffelt, während er auf einen Artgenossen zugeht, lassen sie ihn doch. Sollten sie es unterbinden, stören sie die Kommunikation zwischen den Hunden.

Schwanzwedeln
Wenn dieses zusammen mit einem Beruhigungssignal auftritt, ist beides als ein solches zu verstehen und bedeutet nicht unbedingt, dass der Hund gerade glücklich ist. Der Hund steckt oft in zwiespältigen Empfindungen und wedelt auch dann leicht mit dem Schwanz. Kommt er in niedriger Stellung an, hat die Ohren tiefgelegt, winselt er, legt sich auf den Rücken oder "pieselt" vielleicht sogar, dann ist das Wedeln mit der Rute eine "Weiße Fahne"; ein Signal, um uns zu beschwichtigen.

Beobachten können wir das, wenn wir energisch mit schlechter Laune die Tür knallen und durch die Wohnung stampfen, wenn ein Fremder den Hund anspricht und sich über ihn beugt. Wie oft haben wir intensives Gewedel mit Drehen des Körpers als schlechtes Gewissen gedeutet ? Nein, der Hund will uns beruhigen, er bittet um ein friedliches Miteinander.

Urinieren
Sehr starkes Beruhigungssignal. Tritt auf, wenn etwa ihr Hund einem anderen begegnet oder ihrer erschnüffelt, dass ein großer Hund vor kurzer Zeit an dieser Stelle vorbeigekommen ist. Die Schwierigkeit liegt aber darin, zu unterscheiden, ob jetzt markiert wird oder beruhigt.

Ich hoffe, diese kurze Übersicht hat geholfen, Ihren Hund besser verstehen zu können.

Nutzen sie diese Signale für sich. Ist Ihr Hund erregt, können Sie den Konflikt besänftigen, indem sie auf die Seite schauen oder gähnen. Geben Sie Ihrem Hund die Chance, mit seinen Artgenossen zu kommunizieren und bestrafen Sie es nicht.

Was ist denn das?

Korad Lorenz hat schon vor 50 Jahren davon gesprochen, doch ein Begriff wurden die Signale des Hundes erst durch "Turid Rugaas". Sie übersetzte diese Signale mit Wörtern wie "Beschwichtigungssignale oder Beruhigungssignale". Mittlerweile ist der Begriff sehr vielen bekannt, zumindest Hundebesitzern dürfte es ein Begriff sein wenn man von den "Signalen"spricht.

Ich versuche es einfach zu formulieren:
Calming Signals sind die Gesten, die unser Hund einsetzt um sich für uns und andere Lebewesen verständlich zu machen.
Aber nicht nur der Hund kann sie verwenden, für uns ist es ebenso möglich, wenn wir nur verstehen was wir da mitteilen.

Das hat große Vorteile, denken Sie nur mal daran, wie verständlich wir uns machen können wenn wir nicht auf verbale Kommunikation angewiesen sind? Z.B einem ängstlichen Hund könne wir Sicherheit vermitteln, ohne ihn anfassen zu müssen..wobei das sowieso frgalich ist, ob das gelingt.

Es gibt ca. 30 verschiedene Signale, die Dunkelziffer ist sicher höher. Es gehört ein bisschen Übung dazu, sie zu erlernen, aber mit ein bisschen interesse dürfte das kein Problem darstellen.
Hier die häufigsten Signale:

Blick abwenden, nur mit den Augen, der Kopf wird nicht bewegt.

Kopf abwenden, das kann ganz kurz sein, aber auch länger, evtl. wird der Kopf von einer Seite zu anderen bewegt.

Schwanzwedeln ( kann dazugehören, wird meist durch andere Signale ergänzt)

Vorderpfote anheben und evtl. wegschauen.

Kopf absenken bis auf den Boden, anheben, absenken..

Schnüffeln, auch hier kommen andee Signale dazu z.B. das wegschauen und wieder herschielen..sehr häufig nach dem Motto..ich rieche hier nur gaaanz zufällig was interessantes..

Mit den Augen Zwinkern.

Lecken des Fanges, sieht man sehr häufig.

Gähnen..wo man manchmal sieht dass es nicht echt ist!

Grinsen, manche Hunde ziehen zur Begrüßung z.B. die Lefzen zurück, ohne dabei einen bösen Gesichtsausdruck zu bekommen.

Diese Signale müssen übringens nicht erlernt werden, sie sind angeboren und werden schon von wenige Stunden alten Welpen gezeigt!

 

Rotti Pfoten laufend

PRAKTISCHER EINSATZ
Wenn Sie Kommandos wie "sitz" oder "platz" mit Ihrem Hund üben, sollten Sie darauf achten, daß Sie sich nicht über ihn beugen. Gehen Sie anfangs in die Hocke, und wenden Sie dem Hund vielleicht auch die Körperseite zu, Beugen Sie sich dem Hund nicht entgegen, der auf Sie zukommt, denn dann wird er in den meisten Fällen an Ihnen vorbeigehen. Stehen Sie aufrecht, drehen Sie dem Hund Ihre Seite zu, dann ist die Chance viel größer, daß er zu Ihnen kommt.

Arbeiten Sie nicht über den Leinenruck, reißen Sie nicht an der Leine. Das tut dem Hund nicht nur weh, sondern schadet ihm auch körperlich. Er wird versuchen, von Ihnen wegzukommen, den Blick abzuwenden, langsamer zu gehen usw. Halten Sie die Leine locker, klopfen Sie sich aufmunternd auf den Schenkel, ändern Sie die Richtung und loben Sie den Hund, wenn er Ihnen folgt.

Umarmen Sie einen Hund nicht, indem Sie die Arme eng um ihn schlingen und ihn festhalten. Man kann ihm angewöhnen, das zu akzeptieren, aber eigentlich wird er es als unangenehm oder eventuell sogar als bedrohlich empfinden.

Jede Übung kann auf verschiedene Art und Weise aufgebaut werden. Sie können über Druck und Starkzwang arbeiten oder über positive Verstärkung, Zuwendung und Motivation. Die Entscheidung liegt bei Ihnen.

 

                                                           

                                         

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